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Finanztransaktionssteuer: Hintergründe und Auswirkungen

Welche Auswirkungen hätte die Einführung einer Finanztransaktionssteuer an der Frankfurter Börse? Bild: Imago
Seit Dienstag ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Deutschland und einer Gruppe weiterer Länder in greifbare Nähe gerückt: Weil sich elf Staaten beteiligen wollen, kann die sogenannte verstärkte Zusammenarbeit eingeleitet werden. Die Abgabe auf Geldgeschäfte ist ein deutsch-französisches Prestigeprojekt. Doch was verbirgt sich genau hinter dieser Abgabe?
Eine Finanztransaktionssteuer erhebt auf jedes Geschäft an der Börse und möglicherweise auch außerbörslich eine kleine Steuer, die zunächst minimal klingt. In der gegenwärtigen Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer spricht man beispielsweise von 0,01 Prozent bis 0,05 Prozent auf das Transaktionsvolumen. Wer also zum Beispiel Aktien im Wert von 1.000 Euro handelt, zahlt dafür maximal 50 Cent an Finanztransaktionssteuer. Das klingt sehr wenig und ist es auch, wenn man bedenkt, dass allein die Gebühren für einen einzigen Kauf oder Verkauf an der Börse selten unter 4,95 Euro liegen.
Problematisch könnte die Finanztransaktionssteuer allerdings beispielsweise für den Optionsmarkt werden, also den Handel mit hoch gehebelten Derivaten wie CFDs, Knock-outs oder Optionsscheinen. Hier vermuten Experten einen Anstieg der tatsächlichen Kosten um 15 Prozent. Der Optionsmarkt macht in vielen Bereichen rund 60 Prozent bis 70 Prozent des Handels aus. Mit Aktien wird an der Börse kein so großer Umsatz erzielt.
Geschichte von Finanztransaktionssteuern
Es gab die Finanztransaktionssteuer schon immer, auch gegenwärtig wird sie beispielsweise an der Londoner Börse erhoben. Das Deutsche Reich führte 1881 eine Stempelsteuer ein, mit der Wertpapiere besteuert wurden, zwischen 1922 bis 1992 gab es in Deutschland eine Kapitalverkehrsteuer. Die Steuer auf Umsätze an der Börse wird in vielen Ländern erhoben, allerdings werden in der Regel nur Teile des Finanzmarktes besteuert.
Die gegenwärtig viel diskutierte Finanztransaktionssteuer will die EU ab 2014 einführen. Das Modell ist europaweit in der Diskussion und würde sich bestenfalls im Konzert der europäischen Regierungen lohnen. Das Kapital weicht sonst nach Möglichkeit aus, obgleich es dagegen ebenfalls Maßnahmen gäbe. Die deutschen Parteien sind sich uneins, wie sie die Thematik behandeln sollen: Die Union befürwortet sie inzwischen, die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und die SPD ohnehin, die FDP lehnt sie nach wie vor ab.
Die viel zitierte Tobin-Steuer dient zwar als globales Vorbild, bezog sich aber bei ihrem Vorschlag im Jahr 1972 durch den Wirtschaftswissenschaftler James Tobin ausdrücklich nur auf Devisengeschäfte. Gerade dieses Modell ist allerdings am meisten umstritten, denn Währungsspekulationen dienen auch dem wirtschaftlichen Gleichgewicht zwischen den Volkswirtschaften.
Auswirkungen einer Finanztransaktionssteuer
Welche Auswirkungen die Steuer an der Börse tatsächlich hätte, ist in Wahrheit umstritten. Befürworter erwarten eine Verlangsamung des Handels, also "Sand im Getriebe" der Börse, wodurch Spekulationen mit all ihren schädlichen Auswirkungen eingedämmt werden sollen.
Gegner halten dieses Argument für absurd und verweisen auf die überproportional erhöhten Kosten am Optionsmarkt, die das Sichern von Positionen obsolet machen könnten. Der Optionsmarkt ist gleichzeitig der Markt, an dem der vollautomatisierte Handel mit Expert Advisors (Tradingmaschinen) stattfindet, die bis zu 10.000 Mal pro Sekunde handeln, was möglicherweise rein technisch kaum zu besteuern wäre. Gleichzeitig ist erwiesen, dass die seit den 2000er Jahren durch Tradingroboter vervielfachten Transaktionszahlen keinesfalls zu einer Erhöhung der Volatilität (Schwankungsbreite) oder einer Beschleunigung von Schwankungen geführt haben - im Gegenteil, meinen Fachleute.
Finanztransaktionssteuer und Optionsmarkt
Am Optionsmarkt könnte die Finanztransaktionssteuer ihre größte Wirkung entfalten - hier halten sie ihre Gegner gleichzeitig für sehr gefährlich. Experten rechnen vor, dass die Steuerbelastung leicht über 15 Prozent des Optionswertes erreichen könnte. Der Grund ist die Hebelwirkung der am Optionsmarkt gehandelten Instrumente und vor allem ihre permanente Anpassung per Kauf und Verkauf an Marktveränderungen.
Sollte beispielsweise ein Hedging von Aktienpositionen mit Knock-outs oder CFDs stattfinden, werden die Scheine gelegentlich ausgeknockt und dann als Hedge neu gebucht; jedes Mal würde die Finanztransaktionssteuer fällig. Da auch große Fondsgesellschaften so handeln, würden sich beispielsweise die Renditen von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen verschlechtern.
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