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Anleger halten sich vor EU-Gipfel bedeckt
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Handelsblatt
Auf einen guten Start folgt die Ernüchterung. Die Schützenhilfe aus den USA und Japan wirkten nicht lange. Im Mittagshandel brachte es der Dax nur noch auf ein Plus von 0,1 Prozent auf 6.143 Punkte. Die zweite Reihe überzeugte ebenfalls nur kurz. Nach anfänglichem Plus verlor der MDax 0,4 Prozent auf 9.921 Punkte und der TecDax notierte lediglich 0,1 Prozent fester auf 720 Zähler.
Grund für die zunehmende Zurückhaltung der Anleger ist der nahende EU-Gipfel. "Vor dem EU-Gipfel wird sich kaum jemand trauen, eine wirkliche Position aufzubauen", fasste ein Händler zusammen. Entsprechend mager blieben die Umsätze.
Beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag geht es auch um Vorschlägen zu einer Fiskalunion. Nach einem Reuters vorliegende Konzept von Rat, Kommission, Zentralbank und Euro-Gruppe ist eine gemeinsame Schuldenfinanzierung, eine Bankenunion und als Fernziel ein Schatzamt der Währungsunion vorgesehen. Das dürfte für Streit sorgen, lehnt Bundeskanzlerin Merkel eine Vergemeinschaftung von Schulden doch vehement ab. Eine gesamtschuldnerische Haftung in Europa werde es nicht geben, "so lange ich lebe", bekräftigte Merkel Teilnehmern zufolge erst am Dienstag in einer Fraktionssitzung der FDP. Im Fokus der Anleger stehen am Mittwoch daher die Regierungserklärung Merkels am Mittag und die für den späteren Tagesverlauf angesetzten deutsch-französischen Beratungen.
"Der Druck - auch auf Deutschland - einen echten Schritt zur Lösung der Schuldenkrise zu gehen, wird immer größer", sagte ein Händler. "Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass nunmehr irgendetwas passieren muss." Commerzbank-Analystin Carolin Hecht bleibt aber skeptisch. "Zu tief scheinen die Gräben zwischen den europäischen Verhandlungspartnern, als dass morgen der große Wurf gelingen könnte, der das verloren gegangene Vertrauen in die europäische Haushaltspolitik wiederherstellen könnte." Und so dürfte die Marktwirkung des EU-Gipfels entscheidend davon abhängen, wie die Gipfelteilnehmer das Spannungsverhältnis zwischen einer schwammigen Absichtserklärung und harten, Richtlinien lösen wollen, fügte Hecht hinzu.
Dass allerdings Handlungsbedarf besteht, sieht man am Beispiel des neuen Euro-Sorgenkindes Spanien. Die rasante Neuverschuldung in Spanien gefährdet die Sparziele des hoch verschuldeten Euro-Landes. Bereits Ende Mai lag das Haushaltsdefizit bei 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit nur knapp unter der Vorgabe von 3,5 Prozent für das Gesamtjahr, wie aus Daten des Finanzministeriums am Dienstag hervorging. Vorgezogene Zahlungen über fast neun Milliarden Euro an die Regionen hätten die Verschuldung bis Ende Mai auf 36,4 Milliarden Euro ansteigen lassen.
An den Aktienmärkten sorgten heute zwei millionenschwere Schadensersatzklagen gegen die Porsche Holding für Aufsehen. Aktionäre fordern von der Holding insgesamt rund 4,7 Millionen Euro. Sie werfen dem Unternehmen Täuschung bei dem letztlich gescheiterten Versuch vor, Volkswagen zu übernehmen. Porsche habe seine Absichten zur Beherrschung von VW zu lange verschwiegen. Die Porsche Holding hat zwei wesentliche Beteiligungen: Sie hält gut die Hälfte der Stimmrechte an VW und eine knappe Mehrheit am Autobauer Porsche AG. Die Papiere von Porsche zeigten sich von den Anklagen zunächst erstaunlich unbeeindruckt. Später mussten die jedoch federn lassen und verloren 0,6 Prozent.
Die Commerzbank ändert ihren Kurs
Die Commerzbank kündigte überraschend einen Kurswechsel an. Die Geschäftsfelder für gewerbliche Immobilien und Schiffsfinanzierung würden vollständig abgebaut, teilte die Bank am Dienstagabend mit. Konzernchef Martin Blessing sagte in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview zu den Entscheidungen: "Das ist keine Kehrtwende, sondern eine Beschleunigung unseres bisherigen Kurses." Die Bank reagiere damit auch auf die Verschärfung der Staatsschuldenkrise. "Ein rasches Ende der Eurokrise ist nicht absehbar. Daher müssen wir die Risiken weiter konsequent reduzieren und uns auf das Geschäft konzentrieren, das nachhaltig profitabel ist", so Blessing. Auf den Aktienkurs hatte sich die Neuausrichtung der Geschäfte allerdings nicht ausgewirkt. Die Papiere der Commerzbank verteuerten sich zur Mittagszeit um 0,2 Prozent.
Infineon musste heute weitere Kursverluste hinnehmen. Mit einem Abschlag von 2,7 Prozent positionierten sich die Papiere des Chipherstellers an die letzte Stelle im Dax. Infineon hatte noch vor Handelsschluss am Dienstagnachmittag seine Erwartungen gesenkt. Laut Händlern verringerten viele Analysten nun ihrerseits ihre Schätzungen und Kursziele für den Chiphersteller.
Auf der anderen Seite konnten K+S-Aktien überzeugen. Sie stiegen mit einem Plus von 4,1 Prozent auf 34,00 Euro an die Dax-Spitze. Gleich mehrere Analysten gaben heute eine Kaufempfehlung ab, unter anderem auch die Experten der Bank of America/Merrill Lynch. Sie haben die Titel von "underperform" auf "buy" hochgestuft. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sei angesichts der jüngsten Erholung am Getreidemarkt mit steigender Nachfrage zu rechnen, hieß es in dem Analystenkommentar. Der Aktienkurs berge ein Kurspotenzial von knapp 30 Prozent. "Wenn so ein großes Haus sich in seiner Anlageempfehlung dreht, dann ist diese Reaktion mehr als verständlich", kommentierte ein Händler die Bewegung der Aktien.
Im MDax sorgte Salzgitter für lange Gesichter bei seinen Aktionären. Eine Gewinnwarnung für den gesamten Stahlbereich war Schuld daran. Kurz nach der Gewinnwarnung erklärte der Konzern zudem, dass für den Unternehmensbereich Stahl kein ausgeglichenes Jahresergebnis erwartet werden könne. Grund dafür sei die Schuldenkrise in Europa. Die Aktien von Salzgitter rutschten im Anschluss ganze 7,1 Prozent ins Minus und waren damit schwächster Wert im MDax.
Ebenfalls mies präsentierten sich die Titel von Lanxess. Ein zurückhaltender Analystenkommentar sorgte für eine Minus von 5,7 Prozent auf 46,11 Euro. Das Geschäft des Chemiekonzerns laufe solide, gegen einen Nachfrageeinbruch sei Lanxess angesichts seines guten Standbeins im Reifengeschäft ziemlich gut abgesichert, schrieb Analyst Rhian O'Connor von Credit Suisse. Allerdings seien die Positiv-Faktoren im aktuellen Kurs weitgehend vorweggenommen. Deshalb senkte er sein Kursziel von bislang 70 Euro auf 60 Eu
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