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China-Spekulationen treiben den Dax
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Handelsblatt
China und Amerika lassen die Investoren kurz den Blick von Europa abwenden. Aus China sickerten heute Meldungen durch, dass die dortige Zentralregierung mithilfe von Konjunkturprogrammen versuchen möchte die erlahmende Wirtschaft wieder zu erquicken, in den USA sorgten gute Konjunkturdaten für Zuversicht. Am Ende brachte es der Dax auf ein Plus von rund 1,5 Prozent auf 6.229 Punkte. Die zweite Reihe schloss ebenfalls im Plus. Der MDax stieg um 0,4 Prozent auf 9.998 Punkte und der TecDax notierte 1,4 Prozent fester auf 729 Zähler.
Die US-Börsen zeigten sich nach Frankfurter Börsenschluss ebenfalls in guter Verfassung. Der Dow Jones lag 0,6 Prozent im Plus auf 12.605 Punkte, der S&P-500 stieg um 0,8 Prozent auf 1.330 Zähler und der Nasdaq-100 notierte 0,8 Prozent fester auf 2.569 Punkte. An der Wall Street konnten neben dem "China-Geflüster" auch die positiven Zahlen zu den Hausverkäufen und die steigenden US-Auftragseingänge für langlebige Güter die Stimmung ein wenig aufhellen.
Allerdings dürfte der heutige Handelstag nur eine Momentaufnahme gewesen sein. Denn im Hinblick auf den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag stehen noch viele offene Fragen im Raum.
"Vor dem EU-Gipfel wird sich kaum jemand trauen, eine wirkliche Position aufzubauen", fasste ein Händler die Stimmungslage der Investoren zusammen. Entsprechend mager blieben die Umsätze. Heute erreichten sie gerade einmal ein Volumen von etwa zwei Milliarden Euro. Üblicherweise betragen die Umsätze über drei Milliarden Euro.
Beim EU-Gipfel geht es um Vorschläge zu einer Fiskalunion. Nach einem Reuters vorliegende Konzept von Rat, Kommission, Zentralbank und Euro-Gruppe ist eine gemeinsame Schuldenfinanzierung, eine Bankenunion und als Fernziel ein Schatzamt der Währungsunion vorgesehen. Das dürfte für Streit sorgen, lehnt Bundeskanzlerin Merkel eine Vergemeinschaftung von Schulden doch vehement ab. Eine gesamtschuldnerische Haftung in Europa werde es nicht geben, "so lange ich lebe", bekräftigte Merkel Teilnehmern zufolge erst am Dienstag in einer Fraktionssitzung der FDP.
"Der Druck - auch auf Deutschland - einen echten Schritt zur Lösung der Schuldenkrise zu gehen, wird immer größer", sagte ein Händler. "Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass nunmehr irgendetwas passieren muss." Commerzbank-Analystin Carolin Hecht bleibt aber skeptisch. "Zu tief scheinen die Gräben zwischen den europäischen Verhandlungspartnern, als dass morgen der große Wurf gelingen könnte, der das verloren gegangene Vertrauen in die europäische Haushaltspolitik wiederherstellen könnte." Und so dürfte die Marktwirkung des EU-Gipfels entscheidend davon abhängen, wie die Gipfelteilnehmer das Spannungsverhältnis zwischen einer schwammigen Absichtserklärung und harten, Richtlinien lösen wollen, fügte Hecht hinzu.
Rhön-Klinikum Übernahme steht auf der Kippe
Dass allerdings Handlungsbedarf besteht, sieht man am Beispiel des Euro-Sorgenkindes Spanien. Die rasante Neuverschuldung in Spanien gefährdet die Sparziele des hoch verschuldeten Euro-Landes. Bereits Ende Mai lag das Haushaltsdefizit bei 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit nur knapp unter der Vorgabe von 3,5 Prozent für das Gesamtjahr, wie aus Daten des Finanzministeriums am Dienstag hervorging. Vorgezogene Zahlungen über fast neun Milliarden Euro an die Regionen hätten die Verschuldung bis Ende Mai auf 36,4 Milliarden Euro ansteigen lassen.
Infineon musste am Mittwoch weitere Kursverluste hinnehmen. Mit einem Abschlag von 2,4 Prozent fiel das Papiere des Chipherstellers auf die hinteren Plätze im Dax. Infineon hatte noch vor Handelsschluss am Dienstagnachmittag seine Erwartungen gesenkt. Laut Händlern verringerten viele Analysten nun ihrerseits ihre Schätzungen und Kursziele für den Chiphersteller.
Auf der anderen Seite konnten K+S-Aktien überzeugen. Sie schlossen 6,9 Prozent im Plus auf 34,92 Euro und waren damit Dax-Spitze. Gleich mehrere Analysten gaben heute eine Kaufempfehlung ab, unter anderem auch die Experten der Bank of America/Merrill Lynch. Sie haben die Titel von "underperform" auf "buy" hochgestuft. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sei angesichts der jüngsten Erholung am Getreidemarkt mit steigender Nachfrage zu rechnen, hieß es in dem Analystenkommentar. Der Aktienkurs berge ein Kurspotenzial von knapp 30 Prozent. "Wenn so ein großes Haus sich in seiner Anlageempfehlung dreht, dann ist diese Reaktion mehr als verständlich", kommentierte ein Händler die Bewegung der Aktien.
Größter Verlierer-Titel im MDax war Rhön-Klinikum. Schwindende Übernahmechance durch Fresenius haben Rhön den größten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte eingebrockt. Zeitweise gaben die Aktien über 19 Prozent nach. Am Ende notierten die Papiere ganze 12,3 Prozent im Minus auf 18,52 Euro. Der Rivale Asklepios funkte mit seinem Einstieg bei Rhön am Mittwoch dazwischen. Der Konkurrent erwarb 5,01 Prozent der Anteile, um die Übernahme zu blocken bräuchte Asklepios zehn Prozent. "Aus der geplanten Übernahme durch Fresenius wird wohl nichts mehr", sagte ein Händler. Die Aktien von Fresenius hielten mit einem Minus von 2,7 Prozent die rote Laterne im Dax.
Salzgitter sorgte am Mittwoch ebenfalls für lange Gesichter bei seinen Aktionären. Eine Gewinnwarnung für den gesamten Stahlbereich war Schuld daran. Kurz nach der Gewinnwarnung erklärte der Konzern zudem, dass für den Unternehmensbereich Stahl kein ausgeglichenes Jahresergebnis erwartet werden könne. Grund dafür sei die Schuldenkrise in Europa. Die Aktien von Salzgitter rutschten im Anschluss ins Minus und beendeten den heutigen Handelstag 4,9 Prozent tief
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