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Erstellt am: 28 Juni 2012 | Von HANDELSBLATT.com, Handelsblatt.com

Dax-Anleger in Krisenstimmung

Die schwindende Hoffnung auf einen klaren Durchbruch beim Euro-Gipfel sorgte heute für einen Abverkauf an den europäischen Börsen. Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen erreichten kritische Höchststände


Handelsblatt

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Der EU-Gipfel zur Schuldenkrise hat am heutigen Handelstag den Takt an den europäischen Aktienmärkte vorgegeben. Allzu viele Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Verhandlungen machten sich die Anleger aber nicht. Der Dax ging mit deutlichen Verlusten von 1,3 Prozent auf 6149 Punkte aus dem Handel.

Die Börsen in in den anderen Euro-Ländern gerieten ebenfalls unter Druck, nachdem deutsche Regierungsvertreter die ohnehin nicht sonderlich hohen Erwartungen auf eine Einigung weiter heruntergeschraubt hatten. Der Euro rutschte um fast einen halben US-Cent auf 1,2429 Dollar ab. Die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen kletterten wieder über die als kritisch geltende Sieben-Prozent-Marke.

Die Aktienkurse zogen kurz an, nachdem Aussagen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Runde machten. "Wir sind bereit, so weit zu gehen wie es nötig sein wird, um eine nachhaltige Einigung in Europa zu erzielen. Deutschland wird kein Hindernis sein (für einen Transfer nationaler Hoheitsrechte zur Schaffung einer gemeinsamen Fiskalpolitik)", sagte der Minister in einem Interview mit der Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Börsianer interpretierten die Aussage als Aufweichung der bisherigen Position der Bundesregierung zur gemeinsamen Haftung für Schulden. Ein Sprecher von Schäuble erklärte dagegen, dass erst am Ende einer Entwicklung hin zu einer echten Fiskalunion über ein gemeinsames Schuldenmanagement gesprochen werden könne.

Die harte deutsche Haltung zu einer Fiskal- und Bankenunion hatte schon im Vorfeld für schrille Töne gesorgt. "Am Ende dürfte der Gipfel also nicht mehr bringen als alle seine Vorgänger: Absichtserklärungen ohne konkrete Maßnahmen", prognostiziert Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Eine Einigung jedenfalls sei so gut wie ausgeschlossen, wodurch das Enttäuschungspotenzial zwangsläufig begrenzt sei.

Die Investoren verlangen derweil von Italien immer höhere Renditen für Staatsanleihen. Bei einer Anleihenauktion am Vormittag stieg etwa der Zinssatz für zehnjährige Papiere auf 6,19 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Dezember. Auf der Suche nach Sicherheit nahmen einige Anleger wieder Kurs auf Bundesanleihen. Der Bund-Future legte 35 Ticks auf 141,46 Punkte zu.

Mit der Verschärfung der Euro-Krise ist auch der fulminante Jahresstart im Dax längst Geschichte. Inzwischen ist der Zuwachs des Leitindex im Jahresverlauf auf ein Plus von rund vier Prozent geschrumpft, nachdem er im ersten Quartal noch 17,8 Prozent zugelegt hatte. "Der Dax leidet darunter, dass zurzeit jeder Tag politischer Aschermittwoch ist. Klare Lösungen in puncto Euro-Krise werden nicht erwartet ", kommentierte der Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank.

Kapitalerhöhung belastet Commerzbank

Angesichts der großen Unsicherheit gab es am Aktienmarkt kaum fundamental zu begründende Einzelbewegungen. Größter Verlierer im Dax waren die Commerzbank -Aktien, die knapp 7,5 Prozent auf 1,25 Euro absackten. Das Institut platzierte zu diesem Kurs neue Anteilsscheine, die Führungskräfte als Bonus bekommen hatten und gleich wieder verkaufen wollten, am Markt. Die dadurch stattfindende Kapitalerhöhung sei nicht sonderlich groß, sagten Händler. Dass das Management die Aktien aber nicht halten wolle, lasse an deren Zuversicht hinsichtlich ihres eigenen Instituts zweifeln.

Ein Zeitungsbericht über eine geplante milliardenschwere Übernahme haben Linde belastet. Die Aktien des Industriegase-Herstellers gehörten mit einem Minus von knapp zwei Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Einem Blog der "Financial Times" zufolge sind auch Linde-Rivale Air Liquide sowie eine Beteiligungsgesellschaft an Lincare interessiert. Der kolportierte Kaufpreis von mindestens 3,4 Milliarden Dollar könnte Linde über zusätzliche Schulden und Cash Flow finanzieren, schrieb DZ Bank-Analyst Peter Spengler. Eine Kapitalerhöhung sei aber nicht komplett ausgeschlossen.

Continental sind mit einem Plus aus dem Handel gegangen. Die Titel des Autozulieferers legten 0,7 Prozent auf 62,52 Euro zu. Zwei Händler verwiesen auf die Anleihebegebung des Großaktionärs Schaeffler. "Wenn Schaeffler versucht, seine Schuldenlast zu drücken, ist das auch gut für Conti", sagte einer von ihnen.

Einige Aktionäre von Air Berlin haben am Donnerstag offenbar die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen genutzt. Die Papiere der Fluggesellschaft gehörten mit einem Minus von knapp fünf Prozent zu den größten Verlierern im Kleinwerte-Index SDax. Einen unmittelbaren Auslöser für die Verkäufe konnten Börsianer nicht ausmachen. Die Titel hatten allerdings in den vergangenen zehn Tagen 21,5 Prozent und damit mehr als alle anderen SDax-Werte zugelegt.

ßp

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