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Dax rettet moderates Plus ins Ziel
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Handelsblatt
Ein Rekordhoch spanischer Anleiherenditen hat am Montag die Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland verdrängt. Die Rendite für spanische 10-Jahrestitel kletterte über die kritische Marke von sieben Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Der Dax schloss am späten Nachmittag 0,3 Prozent höher bei 6.248 Punkten, nachdem er in den ersten Handelsminuten bis auf 6.316 Zähler geklettert und im Tagesverlauf sogar zweimal kurzzeitig im Minus zu finden war. Der MDax behauptete 0,4 Prozent auf 10.089 Punkte und die Technologiewerte im TecDax zogen um 0,6 Prozent an auf 731 Punkte. Der Euro als Krisenbarometer zeugte von ungeminderter Unsicherheit: Der Kurs sackte vom höchsten Stand seit Ende Mai bei 1,2747 US-Dollar wieder um mehr als einen Cent ab.
Experten äußerten sich mit Blick auf Griechenland vorsichtig . Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, schätzt, dass die griechische Bevölkerung die auferlegten Reformen und Sparmaßnahmen auf Dauer nicht mittragen wird."Griechenland dürfte selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllen. Will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollständig verlieren, wird die Staatengemeinschaft irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen. Der griechische Staat wäre dann rasch pleite", sagte Krämer gegenüber Handelsblatt Online. "Vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören", so der Experte weiter.
Griechenland kann nach Angaben von Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter auf die Auszahlung weiterer Hilfen nur dann hoffen, wenn es Vertragstreue zeigt. Die kommende griechische Regierung müsse deshalb die vereinbarten Bedingungen für das internationale Finanzpaket einhalten, sagte Kampeter am Montag im ARD-Morgenmagazin. Allerdings deutete er an, dass die EU dann dem Land entgegenkommen könnte. "Gleichzeitig ist uns klar, Griechenland kann auch nicht überfordert werden", betonte der CDU-Politiker. Bereits Sonntagabend hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) gesagt, dass man Griechenland vielleicht mehr Zeit geben könnte, die vereinbarten Reformen umzusetzen.
Unterdessen bemühen sich die Befürworter des Sparkurses um eine rasche Regierungsbildung in dem hoch verschuldeten Land. "Es gibt keine Zeit zu vergeuden", sagte der Chef der konservativen Neuen Demokratie (ND), Antonis Samaras, in der Nacht zu Montag. Dessen Partei wurde stärkste Kraft vor dem radikalen Linksbündnis Syriza und der sozialistischen Pasok. International wurde das Wahlergebnis mit Erleichterung aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Telefonat mit Samaras die Erwartung, dass Griechenland seine europäischen Verpflichtungen einhalten werde. An den Finanzmärkten wurde das Wahlergebnis mit Gewinnen quittiert.
Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam die konservative ND auf 29,7 Prozent und kann ein Regierungsbündnis mit der Pasok bilden. Gemeinsam verfügen beide Parteien über eine Mehrheit im Parlament. Das Linksbündnis Syriza, das die Sparauflagen des internationalen Euro-Rettungspakets kippen will, landete mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz.
In Fernost zogen die Aktienkurse bereits deutlich an. Analysten bewerteten die Rally in Asien aber als kurzlebig. Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities führte die Gewinne darauf zurück, dass ein "Drachmageddon" nicht in Sicht sei. Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley erklärte aber, die Eurokrise habe mehr Facetten als Griechenland. "Wenn die siegreiche Partei nicht die Lebensbedingungen der Griechen verbessert, wird sich ihre Unterstützung hin zur Syriza verschieben. Dann sind wir genauso weit wie zuvor."
ThyssenKrupp wird womöglich brasilianisches Werk los
Bei einer geringen Anzahl von Unternehmensnachrichten gehörten die Papiere von ThyssenKrupp mit plus 1,8 Prozent zu den Gewinnern im Dax. Der brasilianische Stahlkonzern CSN will möglicherweise das hochdefizitäre Stahlwerk in Brasilien übernehmen. Auch der Rohstoffkonzern Vale soll Interesse an der Anlage haben. Die Anlage in Brasilien hat sich gemeinsam mit einem ebenfalls neu eröffneten Werk in den USA als Milliardengrab erwiesen. Für den Standort im US-Bundesstaat Alabama interessiert sich laut "Wirtschaftswoche" der südkoreanische Stahlkonzern Posco.
Rheinmetall-Aktien kletterten in Erwartung eines Panzer-Großauftrags mit plus 6,7 Prozent an die MDax-Spitze. Saudi-Arabien will laut "Bild am Sonntag" noch viel mehr deutsche Kampfpanzer kaufen als bisher bekannt.
Fresenius kommt mit seinem Übernahmeangebot für den Klinikbetreiber Rhön-Klinikum ein gutes Stück voran. Nach Rhön-Klinikum-Gründer und Ankeraktionär Eugen Münch hat auch der zweitgrößte Rhön-Anteilseigner angekündigt, sein Aktienpaket an Fresenius zu verkaufen. Der schwedische Pensionsfonds Alecta hält nach eigenen Angaben 9,13 Prozent an Rhön-Klinikum und ist seit Jahren auch an Fresenius beteiligt. "Diese Verbindung hat das Potenzial, eine noch stärkere Einheit zu schaffen. Sie schafft Möglichkeiten für deutliche Synergien", begründete Portfolio-Manager Leif Törnvall von Alecta die Entscheidung. Er glaube an den Erfolg der Übernahme. Die Titel von Fresenius legten 2,2 Prozent im Dax zu.
Die Banken haben beim Ringen um strengere Auflagen einem Bericht zufolge einen Teilsieg errungen. Bei den als Basel III bekannten neuen Vorgaben sollen offenbar mehr Vermögenswerte als Rücklage für den Liquiditätspuffer benutzt werden dürfen als bislang geplant, berichtete das "Wall Street Journal Europe" (Montag) unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Regierungen weltweit ringen derzeit mit den Banken um strengere Auflagen, um künftig Finanzkrisen besser vermeiden zu können. Dennoch gehörten Commerzbank und die Deutsche Bank am Montag mit einem Minus von 4,4 beziehungsweise 1,1 Prozent zu den größten Verlierern im Dax.
Der milliardenschwere Börsengang des Chemieriesen Evonik ist abgesagt. "Das Kuratorium der RAG-Stiftung hat heute der Entscheidung des Vorstands zugestimmt, die Vorbereitung des laufenden Börsengangs der Evonik Industries AG zu beenden", teilte der Mehrheitseigner RAG-Stiftung am Montag mit. Der bei einem Börsengang erzielbare Preis sei "zu weit von einer angemessenen Bewertung der Evonik entfernt", hieß es zur Begründung. Die RAG-Stiftung hatte Finanzkreisen zufolge eine Bewertung des Essener Konzerns von mindestens 15 Milliarden Euro angepeilt - Investoren hatten den Insidern zufolge aber deutlich weniger zahlen wollen.
Der Stahlhändler Klöckner & Co nimmt die US-Autobranche ins Visier. Der Duisburger Konzern kündigte am Montag an, für 15 Millionen Euro auf dem Werksgelände von ThyssenKrupp im US-Bundesstaat Alabama ein Stahl-Service-Center zu errichten. Es soll im Herbst 2013 in Betrieb gehen und nach einer Anlaufphase zunächst eine jährliche Kapazität von 100.000 Tonnen haben. "Mit der Errichtung eines Stahl-Service-Centers in Alabama vollziehen wir auch in den USA die Expansion in das Automobilzulieferergeschäft", sagte KlöCo-Chef Gisbert Rühl. Die Titel von Klöckner & Co zeigten sich unverändert.
ßp
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