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Finanzmärkte feiern Gipfel mit Kursfeuerwerken
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Handelsblatt
Die internationalen Finanzmärkte hatten wenig vom EU-Gipfel erwartet; umso größer war die Euphorie nach den bekanntgegebenen, überraschend substanziellen, Beschlüssen. Der Dax schloss 4,3 Prozent höher bei 6.416 Punkten und hat damit das erste Halbjahr mit einem Plus von 8,8 Prozent beendet. Auch der Euro verteuerte sich um um mehr als zwei US-Cent auf 1,2671 Dollar. Der Euro-Stoxx stieg sogar um 4,7 Prozent.
Vor allem der Plan, angeschlagene Banken künftig direkt mit Kapital aus dem Rettungsfonds zu versorgen, weckte unter den Investoren Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Schuldenkrise. "Die Euro-Zone ist nicht tot, die Leute sind erleichtert", sagte David Thebault, Chef-Händler von Global Equities.
"Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war", urteilte Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers. "Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter."
Finanzwerte im Höhenflug
Vor diesem Hintergrund hoben vor allem Finanzwerte ab. Der europäische Branchenindex legte mehr als acht Prozent zu, die Aktien der italienischen Unicredit gewannen mehr als 13 Prozent, die der spanischen Santander 6,4 Prozent. Auch die deutschen Bankenwerte der Commerzbank und der Deutschen Bank profitierten von den Gipfelbeschlüssen und gehörten mit einem Plus von 6,2 bzw. 5,9 Prozent zu den stärksten Werten im Dax.
Dass die Nervosität am Finanzmarkt nachließ, zeigten auch die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen. Diese fielen in der Spitze um jeweils etwa zehn Prozent.
"Die Einigung auf eine direkte Rekapitalisierung der Banken ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", sagte Koen De Leus, Anlagestratege bei KBC Securities. "Es durchbricht die teuflische Spirale zwischen insolventen Banken und ihren Regierungen. Das ist zwar nicht die Wende im Spiel, aber eine Wende der Stimmung."
Um eine Eskalation der Euro-Krise zu verhindern, soll der Rettungsfonds nach Einführung einer zentralen Bankenaufsicht angeschlagene Banken künftig direkt mit Kapital versorgen können. Zudem ist der Weg für einen EU-Wachstumspakt frei, mit dem 120 Milliarden Euro an Investitionen mobilisiert werden sollen. Damit würden die Hilfsmaßnahmen für Euro-Sorgenkinder Italien und Spanien verstärkt, urteilte Dariusz Kowalczyk, Volkswirt der Credit Agricole CIB.
Anleihemarkt atmete auf
Am Rentenmarkt war die Freude über die Beschlüsse ebenfalls deutlich zu spüren: Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen gingen zurück. Spanische Bonds wurden mit 6,558 Prozent verzinst nach 6,915 Prozent im Vortagesgeschäft. Die Renditen ihrer italienischer Pendants fielen unter die Sechs-Prozent-Marke. Auch die Kosten der Kreditausfallversicherungen (CDS) für die beiden klammen Euro-Länder verringerten sich.
Im Gegenzug legte allerdings die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kräftig auf 1,61 Prozent zu. "Innerhalb der Eurozone muss ja das verteilte Geld auch aufgebracht werden, und dabei fällt in letzter Konsequenz die Kugel wieder auf die Nordstaaten", sagte Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Des einen Freud, des anderen Leid."
"In den Details liegen die Risiken"
Analysten gingen allerdings nicht davon aus, dass die Euphorie an den Märkten lange anhalten dürfe: "Viele Anleger bejubeln die überraschende Aktivität der Regierungschefs. Schließlich war nicht viel erwartet worden", schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. "Nur muss man sich auch klarmachen, dass die Beschlüsse mittel- bis langfristig problematisch sind." So könne etwa die direkte Banken-Rekapitalisierung zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür verkommen, erklärte der Experte.
"Banken- und Fiskalrisiken sind in der Peripherie eng verwoben. In solchen Ländern, in denen die Geschäftsbanken im großen Umfang Staatsanleihen kaufen, können die fiskalischen Probleme so auf den Bankensektor abgewälzt werden, der dann, ohne dass der Fiskus involviert wird, Kapital vom ESM erhält - womöglich ohne makroökonomische Auflagen." Auch Charles Diebel, Chef-Marktstratege der Lloyds Bank, äußerte sich skeptisch: "Uns fehlen die Details und in den Details liegen die Risiken."
Börsianer mahnten zudem zur Vorsicht, da die Gipfelbeschlüsse noch den parlamentarischen Prozess in den Mitgliedsländern durchlaufen müssen. Die Haushälter der SPD und der Linken stellten bereits infrage, ob noch am Freitag im Bundestag über den dauerhaften Rettungsschirm ESM abgestimmt werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte nach Abschluss des EU-Gipfels, durch die Beschlüsse der Eurogruppe zum ESM ergäben sich inhaltlich keine Änderungen für die Gesetze, die im Bundestag zur Abstimmung stünden.
Nach stundenlangen Verhandlungen hatten die Regierungen der Euro-Zone am Morgen den Weg für ein umfassendes Paket zur Stabilisierung der Währungsgemeinschaft frei gemacht. Die 17 Staats- und Regierungschefs vereinbarten eine zentrale Bankenaufsicht für die Euro-Zone sowie eine Reihe von Maßnahmen, um den Zinsdruck von Ländern wie Italien und Spanien zu nehmen. Die Beschlüsse sollen von der Euro-Gruppe bis zum 9. Juli umgesetzt werden.
Aus der vereinbarten Erklärung geht hervor, dass die Bankenkontrolle unter der Beteiligung der Europäischen Zentralbank organisiert werden soll. In einem zweiten Schritt soll dann dem Rettungsfonds EFSF erlaubt werden, angeschlagene Banken direkt mit Kapital zu versorgen, wie EU-Ratspräsident Herman van Rompuy sagte. Allerdings setzt dies eine Vereinbarung mit dem betreffenden Land und "angemessene Konditionen" voraus.
US-Konjunkturdaten verpufften
Wegen dem EU-Gipfel gingen Konjunkturdaten fast vollständig unter. Die US-Konsumausgaben stagnierten im Mai, teilte das Handelsministerium in Washington am Freitag mit. Zuvor waren sie fünf Monate in Folge gestiegen, wobei das Plus im April mit 0,1 Prozent sehr klein ausfiel. Die Einkommen stiegen um 0,2 Prozent. Die Sparquote erhöhte sich von 3,7 auf 3,9 Prozent.
"Die Verbraucher sind sparsam", sagte Analyst Phil Flynn von PFG Best. "Ein Grund dafür ist die hohe Arbeitslosigkeit." Die Erholung am kriselnden Arbeitsmarkt war zuletzt ins Stocken geraten. Die weltgrößte Volkswirtschaft hatte zu Jahresbeginn merklich an Schwung verloren. Sie wuchs nur noch um 1,9 Prozent, weil Unternehmen weniger investierten. Ende 2011 hatte es noch zu einem Plus von drei Prozent gereicht.
ßp
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