Handelsblatt

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HB FRANKFURT. Im Sog der US-Börsen hat der Dax am Freitag mit deutlichen Kursverlusten geschlossen. Der Leitindex verlor 3,09 Prozent auf 5 414,96 Punkte. Nach einem über weite Strecken lustlosen Handelstag gerieten die Aktienkurse am Nachmittag weltweit unter Druck. Nach den Gewinnen des Vortages machten einige Anleger zum Wochenschluss Kasse, sagten Händler. Zudem verunsicherten Konjunkturdaten aus den USA: Während die Zeichen in der Industrie auf Wachstum stehen, trübte sich die Stimmung der Verbraucher ein.

Der MDax gab 2,32 Prozent auf 6 732,07 Zähler nach, der TecDax verlor 0,68 Prozent auf 727,30 Punkte. Größte Verlierer im Dax waren Infineon-Aktien mit mehr als 5 Prozent, Siemens mit fast 5 Prozent, Allianz und Daimler mit jeweils mehr als 4 Prozent. Kein einziger der 30 Dax-Wert3 kam in die Gewinnzone.

An der Wall Street fiel der Dow-Jones-Index bis Handelsschluss in Europa um rund zwei Prozent auf 9 759 Punkte. Der S&P500 verlor 2,2 Prozent auf 1 042 Zähler und unterschritt damit eine wichtige charttechnische Unterstützung. Der Nasdaq-Composite büßte 1,99 Prozent ein auf 2 055 Punkte.

"Der Ofen ist aus"

"Nach den Kursgewinnen von gestern ist der Ofen aus, und die Leute wissen nicht, was sie tun sollen," sagte ein Börsianer. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, machte vor allem Gewinnmitnahmen für die Verluste verantwortlich. Insgesamt jedoch hätten gerade die Konjunkturdaten Stützen für weiter steigende Aktienmärkte geliefert, fügte der Experte hinzu.

"Es herrscht ein gewisses Misstrauen am Markt, das auch zu einer höheren Bereitschaft bei den Anlegern führt, Gewinne mitzunehmen", sagte Mark Rohles, Marktanalyst bei IG Markets. "Die US-Daten haben diese Tendenz dann noch verstärkt." In den USA sanken die Ausgaben der privaten Haushalte im September wie erwartet.

Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp zog Parallelen zur Dax-Entwicklung des Jahres 2003. Damals habe es sich ausgezahlt, schwächere Tage zum Einstieg zu nutzen. "Wir erwarten Ähnliches für den Herbst 2009." "Das ist meines Erachtens erstmal nur eine Korrekturbewegung und noch keine Trendwende", beruhigte ein Frankfurter Aktienhändler. Neue Tiefstände seit Anfang Oktober hätten Anschlussverkäufe ausgelöst. Die Gewinne am Donnerstag in Reaktion auf die starken Wirtschaftsdaten aus den USA, die das Ende der Rezession eingeläutet hatten, seien "wohl eher ein kurzes Strohfeuer" gewesen, sagte er.

Das Handelsvolumen im Dax sank auf 150 (Vortag 163) Millionen. Aktien. Der Umsatz fiel auf 3,6 (4,1) Mrd. Euro.

Siemens-Aktien zählten zu den größten Dax-Verlierern und gaben um 4,73 Prozent auf 61,47 Euro anch. Sie reagierten damit laut Händlern auf einen Handelsblatt-Artikel. Nach Informationen der Redaktion droht der von der Bahnindustrie erwartete Milliardenauftrag für insgesamt 300 neue IC- und ICE-Züge der Deutschen Bahn zu platzen, da die einzigen vorliegenden zwei Angebote, nämlich von Siemens und Alstom zu teuer sind. "Das Wegfallen des Auftrags wäre zwar schon eine herbe Niederlage für die betreffende Siemens-Sparte, aber viel wichtiger ist die Signalwirkung, die von der Verfahrensweise der Bahn ausgeht", sagte Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. Bisher seien solche Verhandlungen immer nur einem sehr begrenzten Kreis zugänglich gewesen. Das jetzige Vorgehen erlaube hingegen eine schnelle Reaktion der Konkurrenz und verschärfe somit auch in diesem Bereich den Wettbewerb enorm.

Finanzaktien weiter unter Druck

Erneut zeigten sich auch die Finanzwerte sehr schwach: Die Titel der Deutschen Bank verloren im Einklang mit der europäischen Bankenbranche rund 4 Prozent und die der Commerzbank gaben um 3,6 Prozent nach. Im MDax gaben die Anteilsscheine der Aareal Bank um 5,6 Prozent nach. Auch Versicherer wie Munich Re und Allianz zeigten sich sehr schwach mit minus 3 bis minus 4,4 Prozent. Die EU plant, ähnlich wie bei den Banken, auch einen Stresstest für Versicherer.

Nachdem die Tui-Aktien am Tag zuvor gegen den Markttrend kräftig eingebrochen waren, stemmten sie sich nun gegen die Talfahrt. Sie gaben um moderate 0,32 Prozent auf 4,715 Euro nach. Der Reisekonzern hat die Konditionen seiner Wandelanleihe mit einem Kupon von 5,50 Prozent und dem Wandlungspreis 5,63 Euro festgelegt.

Aixtron zeigten sich an der TecDax-Spitze sehr fest mit plus 6,09 Prozent auf 20,37 Euro. Die Unicredit hob in Reaktion auf die am Vortag präsentierten Zahlen die Aktien von "Hold" auf "Buy" und erhöhte das Kursziel von 16 auf 23 Euro. Laut Händler haben außerdem die Experten von Exane BNP Paribas die Papiere von "Neutral" auf "Outperform" erhöht. JP Morgan bestätigte das Papier des Spezialmaschinen-Herstellers mit "Overweight" und einem Ziel von 25,00 Euro.