Handelsblatt

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HB NEW YORK. Schlechte Konjunkturdaten und die dadurch erneut geschürte Angst vor einer nicht nachhaltigen Wirtschaftserholung haben am Freitag die US-Börsen auf steile Talfahrt geschickt. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher schlug auf die Laune der Anleger, die am Vortag noch ein unerwartet deutliches Plus von 3,5 Prozent beim US-Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal bejubelt hatten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 2,5 Prozent auf 9 712 Punkte. Das ist der größte Verlust der Börse an einem einzigen Tag seit Juli. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit einem Abschlag von 2,8 Prozent auf 1 036 Zählern aus dem Handel. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,5 Prozent auf 2 045 Stellen.

Anleger machen Kasse

Vor allem die aktuellen Konjunkturdaten drückten am letzten Handelstag des Monats auf die Stimmung. Nach dem Auslaufen der staatlichen Abwrackprämie für Fahrzeuge schränkten die Konsumenten ihre Ausgaben im September zum ersten Mal seit fünf Monaten ein. Noch am Donnerstag hatte das überraschend große Wirtschaftswachstum im dritten Quartal den Markt beflügelt und für die größten Gewinne seit drei Monaten gesorgt. Nach den Aufschlägen des Vortages machten Anleger dann zum Wochenschluss Kasse. Zudem belastete ein Analystenkommentar zu möglichen milliardenschweren Abschreibungen bei der Citigroup.

Anfälliger Finanzsektor

Finanzwerte standen auf der Verliererliste, nachdem CNBC berichtete, der einflussreiche Analyst Mike Mayo rechne mit einer Zehn-Milliarden-Dollar Abschreibung bei der Citigroup. Die Citi-Papiere gingen um 5,1 Prozent zurück und Goldman-Sachs-Titel verzeichneten einen Abschlag von 4,7 Prozent. "Finanzwerte waren und sind weiterhin der Blitzableiter für den Aktienmarkt", sagte Analyst Ted Weisberg von Seaport Securities. Ihre Schwäche wirke sich auf den gesamten Markt aus.

Der Dow Jones sackte im Wochenvergleich sogar rund minus 2,6 Prozent ab, der marktbreite S&P-500-Index brach mit seiner Serie von sieben Monaten im grünen Bereich. Der S&P verlor auf Monatssicht 2,0 Prozent und der Nasdaq 3,6 Prozent.

Energiewerte auf den Verkaufslisten

Neben den Bankentiteln standen Unternehmen, die Bilanzdaten veröffentlicht hatten, im Mittelpunkt. Der US-Konzern Chevron hat den Ölpreisverfall mit einem Gewinneinbruch zu spüren bekommen. Unter dem Strich verdiente die Nummer zwei der US-Ölbranche im dritten Quartal 3,83 Mrd. Dollar und damit nur halb soviel wie im Vorjahr. Die Chevron-Aktie sank um 1,8 Prozent. Zu den Verlieren zählte auch das Papier des Rivalen Exxon Mobil, das 3,1 Prozent einbüßte.

Die Wirtschaftskrise brockte dem Börsenbetreiber NYSE Euronext im dritten Quartal einen Gewinneinbruch ein. Der Überschuss ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent zurück. Die Aktie fiel in New York um 6,3 Prozent. Zudem hatte die Transatlantik-Börse Probleme mit der Verbreitung von Börsennotierungen zu Handelsbeginn. Es gab Verzögerungen, die jedoch später behoben wurden. Diese seien durch fehlerhafte Orders ausgelöst worden, hieß es.

Auch die Titel des größten US-Lebensversicherers MetLife fielen um 7,6 Prozent. Das Unternehmen gab den dritten Quartalsverlust in Folge bekannt. Nach Zahlen standen auch die Aktien des Sicherheits-Software-Herstellers McAfee auf der Verkaufsliste und gaben 4,3 Prozent nach. Der Umsatz im abgelaufenen Quartal fiel deutlich geringer aus als von Analysten erwartet.

Schwerer Einbruch bei Novatel

Amgen-Titel verloren 1,0 Prozent. 14 US-Bundesstaaten und der Bezirk von Columbia haben das Unternehmen verklagt. Sie beschuldigen den Biotechkonzern, Schmiergelder an Medizinanbieter gezahlt zu haben, um den Absatz des Anämie-Produkts Aranesp anzukurbeln.

Die deutlichsten Verluste verzeichneten Novatel-Aktien, die knapp 27 Prozent einbrachen. Das Unternehmen enttäuschte mit einem schlechten Ausblick.

An der New Yorker Stock Exchange wechselten rund 1,7 Mrd. Aktien den Besitzer. 405 Werte legten zu, 2655 verloren und 53 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von etwa 2,6 Mrd. Papieren 494 Werte im Plus, 2191 im Minus und 94 blieben unverändert.