![]()
Handelsblatt
HB FRANKFURT. Nach dem überraschend deutlichen Anstieg des ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie zog der Dax am Nachmittag zunächst deutlich an. Neben dem ISM-Index für Oktober waren die September-Statistiken zu den anstehenden Hausverkäufen sowie die Bausausgaben veröffentlicht worden. Alle fielen besser als erwartet aus. So stieg im September die Zahl der schwebenden Hausverkäufe um 6,1 Prozent, wohingegen Analysten einen unveränderten Stand erwartet hatten. Die Bausausgaben zogen überraschend an. Analysten hatten hier mit einem leichten Rückgang gerechnet. Der ISM-Index kletterte auf 55,7 Punkte. Dieser unerwartet deutliche Anstieg stütze die Märkte weltweit, sagte Marktanalyst Patrick Pflüger von IG Markets. Die Anleger zeigten sich nach der starken Korrektur der letzten Handelstage aber verunsichert.
Größter Dax-Gewinner waren die Aktien von Infineon mit einem Plus von 4,1 Prozent. Die Bank of America/Merrill Lynch hatte die Aktie von "Underperform" auf "Buy" hochgestuft und dies damit begründet, dass der Chiphersteller von einer sich erholenden Nachfrage und Wiederaufstockungen der Läger im Automobil- und Industriebereich profitieren dürfte. Zudem gehen die Analysten nicht davon aus, dass Infineon seinen mit dem iPhone-Hersteller Apple abgeschlossenen Zulieferer-Vertrag verlieren könnte.
Der MDax gewann am Ende 0,52 Prozent auf 6 767 Zähler, der TecDax dagegen verlor 0,64 Prozent auf 722 Punkte. Schlusslicht im deutschen Leitindex waren die Papiere von Beiersdorf mit einem Minus von 1,2 Prozent.
Die Fondsgesellschaft Fortis Investments sieht Ermüdungserscheinungen am Markt, nachdem der Dax seit seinem Jahrestief vom März gut 50 Prozent zugelegt hat. "Die Berichtssaison ist weit fortgeschritten, und positive Gewinnüberraschungen, meist aufgrund höherer Umsätze, sind keine Neuigkeiten mehr."
Für eine Überraschung im Dax sorgte Linde mit der Bekanntgabe eines operativen Gewinns über den Markterwartungen. Die Aktien des Industriegasekonzerns verteuerten sich um 2,5 Prozent. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler bezeichnete das Quartalsergebnis als exzellent.
Spitzenreiter der ersten Börsenliga waren nach positiven Analystenkommentaren die Papiere von Infineon und Adidas mit Aufschlägen von 4,1 beziehungsweise 3,8 Prozent. Jonathan Crossfield von BofA/Merrill Lynch hatte die Infineon-Aktien zum Kauf empfohlen und dies unter anderem mit der zuletzt schwachen Kursentwicklung begründet. Der Analyst geht nicht davon aus, dass Infineon seine Zuliefer-Aufträge für das iPhone von Apple verlieren werde, worüber zuletzt spekuliert worden war. Darüber hinaus könne das Unternehmen von der anziehenden Nachfrage aus der Automobilbranche und anderen industriellen Sektoren profitieren.
Nomura bestätigte seine Kaufempfehlung für Adidas-Aktien.
Commerzbank-Aktien grenzten nach der Bekanntgabe eines Milliardenverlustes im abgelaufenen Quartal ihre Gewinne ein und schlossen 1,3 Prozent höher. Operativ schrieb das zweitgrößte deutsche Geldhaus allerdings schwarze Zahlen. In London sackten Aktien von Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds um knapp acht beziehungsweise 2,3 Prozent ab. Einem Zeitungsbericht zufolge wird die Regierung in London ihren Anteil an den beiden Häusern weiter aufstocken und will mit Hilfe der staatlichen Beteiligungen an Banken den Markt umkrempeln.
Bei den deutschen Nebenwerten reagierten die Anleger enttäuscht auf die Quartalszahlen von Hugo Boss. Die Aktien waren mit einem Minus von fast zehn Prozent Schlusslicht im MDax. Der Modehersteller kann sein Renditeversprechen nicht halten und verfehlte die Analystenerwartungen im abgelaufenen Quartal.
An der Wall Street schossen dagegen die Ford-Aktien knapp neun Prozent nach oben, nachdem der US-Autobauer im dritten Quartal überraschend einen Gewinn eingefahren hatte. In Mailand waren Fiat-Aktien gefragt und verteuerten sich um drei Prozent. Auslöser war Händlern zufolge erneute Spekulationen auf einen Börsengang der Autosparte. Um 15 Prozent auf Talfahrt gingen die Aktien des in New York gelisteten chinesischen Siliziumwafer-Herstellers LDK Solar, nachdem die deutsche Q-Cells einen Liefervertrag beendet hatte.
Das Handelsvolumen im Dax sank auf 131,3 (Freitag 150) Millionen Aktien. Der Umsatz fiel auf 2,95 (3,6) Milliarden Euro.






















