Handelsblatt

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HB FRANKFURT. Die bereits in der vergangenen Woche deutlich spürbare Nervosität der Anleger hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag erneut fest im Griff gehabt. Im Leitindex Dax fiel die Marke von 5 400 Punkten, zeitweise notierte das Börsenbarometer so tief wie zuletzt im August dieses Jahres. Mit einem Abschlag von 1,4 Prozent auf 5 353 Punkten ging der Dax aus dem Handel. Vor gerade einmal zwei Wochen hatte er sich noch der Schwelle von 5 900 Punkten genähert. Der MDax verlor 1,29 Prozent auf 6 679 Zähler. Der TecDax sank um 0,71 Prozent auf 717 Punkte.

"Alle wollten die Korrektur - nun ist sie da und alle werden nervös am Markt", sagte Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory. Das weitere Risiko nach unten sei aus seiner Sicht aber begrenzt, und bei einigen Werten zeigten sich schon wieder gute Einstiegskurse. Im Fokus stand eine Flut von Bilanzvorlagen, auch von einigen Dax-Unternehmen.

Ein anderer Händler meinte, dass die nur uneinheitlich ausgefallenen Bilanzen den Markt nicht aus dem aktuellen Stimmungtief ziehen könnten. Zudem sei das Chartbild nach dem jüngsten Rutsch angeschlagen. Börsianer hatten zudem bereits zum Handelsstart auf den holprigen Verlauf an der Wall Street am Vorabend verwiesen, der die Unsicherheit der Anleger hoch halte. Offenbar wechselten ohnehin einige insitutionelle Anleger aus dem Dollarraum auf die Verkäuferseite, was die jüngste Stärke des US-Dollar zum Euro signalisiere. Viele hätten zuvor das niedrige Zinsniveau bei Dollar-Anleihen genutzt, um sich hier zu verschulden und damit beispielsweise Euro-Wertpapiere zu kaufen. Diese "Carry Trades" würden nun aufgelöst.

Die Marktteilnehmer wirkten unruhig und verunsichert, resümierte auch Analyst Mark Rohles von IG Markets. Angesichts zunehmender Skepsis über eine Konjunkturerholung auf breiter Ebene verpufften derzeit vereinzelte positive Signale überwiegend wirkungslos.

Mit der BMW-Aktie als Schlusslicht im Leitindex rutschten die Autotitel allesamt ab. Minus 6,26 Prozent auf 31,500 Euro standen nach der Vorlage des Quartalsberichts des Münchner Autoherstellers am Tagesende zu Buche. Vor allem das schwache Abschneiden der Autosparte hatte den Markt enttäuscht. Die VW-Stämme und Daimler- Aktien büßten in "Sippenhaft" zwischen drei und vier Prozent ein.

Die wieder eingetrübte Stimmung für Bankenwerte sorgte für kräftige Gewinnmitnahmen innerhalb dieser Branche. Auslöser war unter anderem, dass zunächst die Commerzbank und dann die Schweizer Großbank UBS mit hohen Quartalsabschreibungen überrascht hatten. Mehr Staatshilfe benötigen zudem die britischen Banken RBS sowie Lloyds. Beide müssen sich daher als Auflage der Regierung in den kommenden Jahren von wichtigen Geschäftsfeldern trennen. All dies, so hieß es am Markt, belaste, zumal die Banken insgesamt in den vergangenen Wochen und Monaten einen "sehr guten Lauf" gehabt hätten. Die Aktien der Commerzbank verloren 4,03 Prozent auf 6,90 Euro, die der Deutschen Bank gaben um 4,16 Prozent auf 47,40 Euro nach und die der Aareal Bank verloren 5,07 Prozent auf 14,03 Euro.

Die Aktien von Fresenius und Fresenius Medical Care (FMC) profitierten von ihren Quartalsberichten. Sowohl der Medizinkonzern Fresenius als auch der zu ihm gehörende weltgrößte Dialysespezialist FMC blicken zudem etwas optimistischer auf das Jahresende als zuvor. Die Anteilsscheine von Fresenius legten an der Dax-Spitze um 6,76 Prozent auf 41,99 Euro zu, die der Tochter FMC verteuerten sich um 4,55 Prozent auf 34,24 Euro.

Das Zahlenwerk samt Ausblick von Beiersdorf wurde von den Anlegern mit einem Plus für die Aktie von 3,33 Prozent auf 42,77 Euro honoriert. Die Metro-Aktien waren nach "etwas besser als erwarteten Zahlen" ebenfalls gefragt und stiegen um 4,24 Prozent auf 39,09 Euro.

Der EuroStoxx 50 sank um 1,67 Prozent auf 2716,45 Zähler und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Anfang September. Der Pariser CAC-40-Index und der FTSE 100 in London schlossen ebenfalls schwach. Die US-Börsen verzeichnten zum europäischen Handelsschluss moderate Verluste von bis zu 0,5 Prozent.

Das Handelsvolumen im Dax stieg auf 139,4 (Montag: 131,3) Millionen Aktien. Der Umsatz erhöhte sich auf 3,6 (2,95) Milliarden Euro.