Handelsblatt

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HB FRANKFURT. Gestützt von überraschend starken US-Konjunkturdaten und einem verhalten optimistischen Konjunkturausblick der EZB hat der Dax am Donnerstag zugelegt. Er beendete den Xetra-Handel 0,7 Prozent höher bei 5 480 Punkten. Der Aktienumsatz aller Dax-Werte fiel auf 148,6 (Freitag: 150,6) Millionen Stück. Das Umsatzvolumen verringerte sich auf 3,4 (3,68) Milliarden Euro.

Der MDax stieg um ein Prozent auf 7 019 Stellen. Der TecDax zog um zwei Prozent auf 750 Zähler an, und der SDax gewann 0,9 Prozent auf 3 428 Punkte. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 1,8 Prozent höher bei 9 977 Stellen. Der technologielastige Nasdaq gewann 2,1 Prozent auf 2 100 Zähler, und der breiter gefasste S&P500 zog um 1,6 Prozent auf 1 063 Punkte an. Der EuroStoxx50 der größten Börsenwerte aus der Euro-Zone legte 1,2 Prozent auf 2 795 Zähler zu.

Mit Blick auf die Einzelwerte standenheute erneut zahlreiche Unternehmen mit ihren Bilanzvorlagen im Blick der Anleger. Mit der Deutschen Telekom, der Commerzbank, der Post und der Munich Re legten allein vier Dax-Konzerne Zahlen vor. "So richtig runter will der Markt nicht, eine nachhaltige Erholung ergibt sich nach der jüngsten Korrektur aber auch nicht", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. Allerdings habe die Nervosität und damit auch die Schwankungsbreite der Kurse in Abhängigkeit neuer Daten zuletzt spürbar zugenommen. So sei der Markt dann auch prompt nach etwas besser als erwarteten Konjunkturdaten aus den USA ins Plus gesprungen, nachdem zuvor noch die abgebröckelten Kurse im späten US-Handel den Dax im Minus gehalten hatten. Grundsätzlich bleibt Halver, aufgrund der massiven Liquidität an der Seitenlinie bei gleichzeitig fehlenden Anlagealternativen zu Aktien, optimistisch für den deutschen Aktienmarkt.

Die Berichtssaison halte die Anleger eigentlich positiv in Atem, sagte Halver. Die aktuelle Unsicherheit im Markt zeige sich auch darin, dass Anleger wieder solide Substanztitel mit hoher Dividendenrendite kauften und zyklische Banken- und Technologiewerte links liegen ließen.

Trichet erwartet 2010 schrittweise Konjunkturerholung

Zudem hellten verhalten optimistische Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Stimmung auf. Trichets Worten zufolge deuten die jüngsten Daten auf eine Beschleunigung des Wachstums im zweiten Halbjahr hin. Für 2010 sagte er eine schrittweise Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone voraus. "Die US-Daten und die Aussagen Trichets sorgen für Erleichterung am Markt", sagte ein Börsianer. Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon betonte jedoch, dass der Markt voraussichtlich erst von den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag eindeutige Richtungsvorgaben erhalten werde.

Die Deutsche Telekom erntete Lob für ihre Quartalsbilanz. "Die Zahlen lagen über den Erwartungen", stellten die Analysten der Citigroup fest und hoben ihre Einstufung auf "Buy" von "Hold" an. Die T-Aktie setzte sich daraufhin mit einem Plus von bis zu 3,3 Prozent zeitweise an die Spitze der Dax-Gewinnerliste und schloss 2,3 Prozent höher bei 9,50 Euro.

Das Schlusslicht bildete die Commerzbank, deren Aktien sich um 4,7 Prozent auf 6,87 Euro verbilligten. "Insgesamt zeigt der Quartalsbericht wenig Überraschungen und eine erwartet niedrige Ergebnisqualität", schrieb Analyst Matthias Dürr von der DZ Bank in einem Marktkommentar. Sein Kollege Olaf Kayser von der LBBW betonte, die hohe Risikovorsorge bei dem Finanzinstitut bereite ihm Sorgen.

Spekulationen über eine Aktienplatzierung rückten gegen Mittag Metro ins Rampenlicht. "Angeblich sollen die Aktien zum Preis je 38 Euro platziert werden", sagten Börsianer. Metro wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Kurz darauf kamen Spekulationen auf eine Übernahme der niederländischen Supermarkt-Kette Ahold durch den britischen Konkurrenten Tesco auf. Metro schlossen daraufhin als Dax-Spitzenreiter 3,3 Prozent im Plus bei 40,93 Euro. Ahold legten 4,5 Prozent auf 9,10 Euro zu und Tesco 2,4 Prozent auf 416,66 Pence. Delhaize verbuchten sogar ein Plus von 5,1 Prozent auf 49,40 Euro. Der belgische Einzelhändler hatte nach starken Quartalsergebnissen seine Gesamtjahresziele angehoben.

Bei den Technologiewerten sprinteten die Titel von Rofin-Sinar am Nachmittag auf die Spitzenposition. Dank eines optimistischen Ausblicks verteuerten sich die Papiere des deutsch-amerikanischen Laser-Herstellers um 13,4 Prozent auf 16,55 Euro.