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Erstellt am: 18 Juni 2012 | Von HANDELSBLATT.com, Handelsblatt.com

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Griechenland wählt den Euro. Das hilft dem Dax - zumindest ein bisschen. Allerdings liegen schon längst andere Sorgenkinder im Fokus der Investoren. Die Risikoaufschläge für Spanien erreichen neue Höhen


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Ein Rekordhoch spanischer Anleiherenditen hat die Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland verdrängt. Die Rendite für spanische 10-Jahrestitel kletterte über die kritische Marke von sieben Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Der Dax legte am späten Nachmittag 0,1 Prozent auf 6.237 Punkte zu, nachdem er in den ersten Handelsminuten bis auf 6.316 Zähler geklettert und im Tagesverlauf sogar zweimal kurzzeitig im Minus zu finden war. Der MDax stieg um 0,6 Prozent auf 10.108 Punkte und die Technologiewerte im TecDax zogen um 0,6 Prozent an auf 731 Punkte. Der Euro als Krisenbarometer zeugte von ungeminderter Unsicherheit: Der Kurs sackte vom höchsten Stand seit Ende Mai bei 1,2747 US-Dollar wieder um mehr als einen Cent ab.

Experten äußerten sich mit Blick auf Griechenland vorsichtig . Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, schätzt, dass die griechische Bevölkerung die auferlegten Reformen und Sparmaßnahmen auf Dauer nicht mittragen wird."Griechenland dürfte selbst gelockerte Auflagen nicht erfüllen. Will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht vollständig verlieren, wird die Staatengemeinschaft irgendwann gezwungen sein, Griechenland den Geldhahn zuzudrehen. Der griechische Staat wäre dann rasch pleite", sagte Krämer gegenüber Handelsblatt Online. "Vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören", so der Experte weiter.

Griechenland kann nach Angaben von Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter auf die Auszahlung weiterer Hilfen nur dann hoffen, wenn es Vertragstreue zeigt. Die kommende griechische Regierung müsse deshalb die vereinbarten Bedingungen für das internationale Finanzpaket einhalten, sagte Kampeter am Montag im ARD-Morgenmagazin. Allerdings deutete er an, dass die EU dann dem Land entgegenkommen könnte. "Gleichzeitig ist uns klar, Griechenland kann auch nicht überfordert werden", betonte der CDU-Politiker. Bereits Sonntagabend hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) gesagt, dass man Griechenland vielleicht mehr Zeit geben könnte, die vereinbarten Reformen umzusetzen.

Unterdessen bemühen sich die Befürworter des Sparkurses um eine rasche Regierungsbildung in dem hoch verschuldeten Land. "Es gibt keine Zeit zu vergeuden", sagte der Chef der konservativen Neuen Demokratie (ND), Antonis Samaras, in der Nacht zu Montag. Dessen Partei wurde stärkste Kraft vor dem radikalen Linksbündnis Syriza und der sozialistischen Pasok. International wurde das Wahlergebnis mit Erleichterung aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Telefonat mit Samaras die Erwartung, dass Griechenland seine europäischen Verpflichtungen einhalten werde. An den Finanzmärkten wurde das Wahlergebnis mit Gewinnen quittiert.

Nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen kam die konservative ND auf 29,7 Prozent und kann ein Regierungsbündnis mit der Pasok bilden. Gemeinsam verfügen beide Parteien über eine Mehrheit im Parlament. Das Linksbündnis Syriza, das die Sparauflagen des internationalen Euro-Rettungspakets kippen will, landete mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz.

In Fernost zogen die Aktienkurse bereits deutlich an. Analysten bewerteten die Rally in Asien aber als kurzlebig. Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities führte die Gewinne darauf zurück, dass ein "Drachmageddon" nicht in Sicht sei. Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley erklärte aber, die Eurokrise habe mehr Facetten als Griechenland. "Wenn die siegreiche Partei nicht die Lebensbedingungen der Griechen verbessert, wird sich ihre Unterstützung hin zur Syriza verschieben. Dann sind wir genauso weit wie zuvor."

Die Eurokrise ist auch ein wichtiges Thema beim Gipfeltreffen der 20 führenden Industriestaaten (G20) in Mexiko. Die Konferenz sollte am Montag beginnen.

ThyssenKrupp wird womöglich brasilianisches Werk los

Bei einer geringen Anzahl von Unternehmensnachrichten gehörten die Papiere von ThyssenKrupp mit plus 2,4 Prozent zu den Favoriten. Der brasilianische Stahlkonzern CSN will möglicherweise das hochdefizitäre Stahlwerk in Brasilien übernehmen. Auch der Rohstoffkonzern Vale soll Interesse an der Anlage haben. Die Anlage in Brasilien hat sich gemeinsam mit einem ebenfalls neu eröffneten Werk in den USA als Milliardengrab erwiesen. Für den Standort im US-Bundesstaat Alabama interessiert sich laut "Wirtschaftswoche" der südkoreanische Stahlkonzern Posco.

Rheinmetall-Aktien kletterten in Erwartung eines Panzer-Großauftrags mit plus 7,08 Prozent an die MDax-Spitze. Saudi-Arabien will laut "Bild am Sonntag" noch viel mehr deutsche Kampfpanzer kaufen als bisher bekannt.

Fresenius kommt mit seinem Übernahmeangebot für den Klinikbetreiber Rhön-Klinikum ein gutes Stück voran. Nach Rhön-Klinikum-Gründer und Ankeraktionär Eugen Münch hat auch der zweitgrößte Rhön-Anteilseigner angekündigt, sein Aktienpaket an Fresenius zu verkaufen. Der schwedische Pensionsfonds Alecta hält nach eigenen Angaben 9,13 Prozent an Rhön-Klinikum und ist seit Jahren auch an Fresenius beteiligt. "Diese Verbindung hat das Potenzial, eine noch stärkere Einheit zu schaffen. Sie schafft Möglichkeiten für deutliche Synergien", begründete Portfolio-Manager Leif Törnvall von Alecta die Entscheidung. Er glaube an den Erfolg der Übernahme. Die Titel von Fresenius legten 1,4 Prozent im Dax zu.

Die Banken haben beim Ringen um strengere Auflagen einem Bericht zufolge einen Teilsieg errungen. Bei den als Basel III bekannten neuen Vorgaben sollen offenbar mehr Vermögenswerte als Rücklage für den Liquiditätspuffer benutzt werden dürfen als bislang geplant, berichtete das "Wall Street Journal Europe" (Montag) unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Regierungen weltweit ringen derzeit mit den Banken um strengere Auflagen, um künftig Finanzkrisen besser vermeiden zu können. Dennoch gehörten Commerzbank und die Deutsche Bank am Montag mit einem Minus von 4,2 beziehungsweise 1,1 Prozent zu den größten Verlierern im Dax.

Der Stahlhändler Klöckner & Co nimmt die US-Autobranche ins Visier. Der Duisburger Konzern kündigte am Montag an, für 15 Millionen Euro auf dem Werksgelände von ThyssenKrupp im US-Bundesstaat Alabama ein Stahl-Service-Center zu errichten. Es soll im Herbst 2013 in Betrieb gehen und nach einer Anlaufphase zunächst eine jährliche Kapazität von 100.000 Tonnen haben. "Mit der Errichtung eines Stahl-Service-Centers in Alabama vollziehen wir auch in den USA die Expansion in das Automobilzulieferergeschäft", sagte KlöCo-Chef Gisbert Rühl. Die Titel von Klöckner & Co verloren 0,9 Prozent.

Ein Reuters-Bericht über den möglichen Verkauf von Anteilen durch den Bund hat der Deutschen Post am Montag zugesetzt. Die Titel des Bonner Konzerns fielen um bis zu 0,2 Prozent auf 13,27 Euro und hinkten damit dem Dax deutlich hinterher, der am Vormittag um bis zu 1,4 Prozent zulegte. Die staatliche Förderbank KfW lotet laut Finanzkreisen die Chancen auf einen Verkauf der restlichen Beteiligung des Bundes an der Post aus. Die Kfw hält Post-Aktien im Wert von fast fünf Milliarden Euro.

ßp

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