MSN MoneyMSN Money
Erstellt am: 27 Juli 2012 | Von Ronny Thurow /dpa/dapd

Pleite Griechenlands würde deutsche Steuerzahler 83 Milliarden Euro kosten

Eine Staatspleite Griechenlands würde die deutschen Steuerzahler wohl mindestens 83 Milliarden Euro kosten. Und ein Euro-Autritt? Welche Kosten und Folgen hätte der? Und inwieweit wäre ein solcher Austritt rechtlich überhaupt möglich? MSN Money beantwortet die brennenden Fragen.


Euro-Austritt Griechenlands (© Bild: Imago)

Ihre Meinung zu Griechenland
Beim Laden der Daten ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später erneut.

Haben Sie Angst vor einem Euro-Austritt Griechenlands?

Danke für Ihre Stimme. Erste Ergebnisse werden bald vorliegen. Ergebnisse abfragen

  1.  
    11 %
    Ja, das hätte unberechenbare Folgen für Europa und die Welt.
    129 Stimmen
  2.  
    11 %
    Ja, denn dann würde Deutschland auf den Schulden sitzenbleiben.
    125 Stimmen
  3.  
    55 %
    Nein, besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende.
    632 Stimmen
  4.  
    19 %
    Nein, die Pleite-Griechen haben den Euro nicht verdient.
    222 Stimmen
  5.  
    4 %
    Mir egal.
    41 Stimmen

Antworten: 1.149
Nicht repräsentativ. Ergebnisse werden regelmäßig aktualisiert.

Eine Staatspleite Griechenlands würde Deutschland nach einer aktuellen Schätzung der Dekabank kurzfristig 83 Milliarden Euro kosten. "Darin enthalten sind die deutschen Anteile an den Auszahlungen aus dem ersten und zweiten Rettungspaket für Athen von bisher 15 und 22 Milliarden Euro", sagte Dekabank-Experte Carsten Lüdemann der "Rheinischen Post". Hinzu kämen weitere 13 Milliarden Euro an Verpflichtungen, die sich für Deutschland ergäben, weil die Europäische Zentralbank (EZB) im Pleitefall wertlose griechische Staatsanleihen in ihren Büchern stehen hätte.

Zudem müsse Deutschland 30 der 106 Milliarden Euro schultern, die die griechische Notenbank über das sogenannte Target-System der europäischen Notenbanken der Bundesbank schulde. Aus den Zahlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Griechenland ergäbe sich darüber hinaus für Deutschland ein Kostenanteil von drei Milliarden Euro.

Die schwindenden Hoffnungen, dass Athen im Euroland wieder auf die Beine kommen kann, rufen auch immer realistischere Szenarien für einen Euro-Austritt Griechenlands auf den Plan. Immer mehr Politiker und Ökonomen halten einen solchen Austritt für zunehmend wahrscheinlicher.
Doch wie könnte ein solcher Schritt in der politischen Realität aussehen? Und welche Folgen hätte er?


RECHTLICHE GRUNDLAGE - nur freiwilliger Austritt möglich:

Die Rufe nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone werden wieder lauter, nachdem durch die zweimaligen Parlamentswahlen fast alle Reformvorhaben im Land liegen geblieben sind. Zudem will die neue Regierung eine längere zeitliche Streckung der Sparauflagen. Etliche Ökonomen rechnen mit einem Ausscheiden Griechenlands in den nächsten Monaten. Politiker wie Bundeswirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler (FDP) halten einen Austritt nicht mehr für ausgeschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte unlängst erstmals das Austrittsszenario angesprochen. Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte eingeräumt, Experten würden entsprechende Pläne für den Notfall ausarbeiten, dass Athen nicht zu seinen Sparzusagen steht.
Allerdings ist ein direkter Rauswurf aus der Eurozone durch die anderen Mitgliedsländer nicht möglich. Das sehen die EU-Verträge nicht vor. Allerdings könnte Griechenland von sich aus erklären, sich vom Euro zu verabschieden. Aber auch in diesem Fall wäre dies Neuland für das gesamte Euro-System, das dafür keine Regelungen kennt.

FOLGEN FÜR GRIECHENLAND - wirtschaftlicher Kollaps wahrscheinlich:

Hellas vor dem Kollaps? (© Bild: Imago)

Mit großer Wahrscheinlichkeit würde der Euro-Abschied zunächst den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch des Krisenlandes bedeuten. Ohne Euro müsste Griechenland wieder eine eigene Währung einführen, etwa die alte Drachme. Sie würde vermutlich drastisch an Wert verlieren, etliche Ökonomen schätzen um die 50 Prozent. Die Abwertungseffekte würden dann aber Exporte verbilligen und die Wettbewerbsfähigkeit Griechenland international steigern. Ob diese Effekte jedoch schnell genug eintreten, damit Griechenland absehbar wieder auf die Beine kommt, ist höchst fraglich. Auch würden sich die Importe wie Öl und Benzin drastisch verteuern. Gehälter, Renten oder Pensionen würden in der neuen, vergleichsweise "schwachen" Währung gezahlt. Diejenigen, die über viel Euro-Bargeld verfügen, weil sie das Geld ins Ausland gebracht oder zuhause liegen haben, stünden vergleichsweise gut da.

Von Ökonomen gibt es auch Vorschläge für die Einführung einer Parallelwährung, beispielsweise dem "Geuro", wobei der Staat Schuldscheine an seine Bediensteten ausgeben könnte statt sie direkt zu bezahlen. Die Zweitwährung würde gegenüber dem Euro im Wert sinken. Auch in diesem Fall könnten griechische Exporteure im Ausland billiger anbieten, die griechische Wirtschaft könnte so ihre Konkurrenzfähigkeit steigern, was dringend nötig wäre, damit sie aus der Rezession herauskommt. Die Lösung einer Zweitwährung soll dabei dem Land die Rückkehr zu einer vollen Mitgliedschaft in die Eurozone sichtbar offenhalten.

Bei Einführung einer neuen Währung wäre besonders schwerwiegend, dass für Griechenland die in Euro aufgenommenen Altschulden infolge der Abwertungseffekte drastisch steigen würden. Das Bankensystem geriete ins Wanken, ein Ansturm der Sparer wäre programmiert. Deshalb sollte die Einführung einer neuen Währung nach Ansicht von Fachleuten nur geordnet verlaufen, wobei großzügige Überbrückungshilfen und Stützung der Banken notwendig wären.

FOLGEN FÜR DIE EUROZONE - Akute Ansteckungsgefahr:

Domino-Effekt befürchtet

Bild: Imago

Ob das Euro-Währungsgebiet einen Austritt der Hellenen verkraften würde, ist äußerst fraglich. Ökonomen warnen vor der Ansteckungsgefahr für weitere Sorgenkinder wie Spanien, Italien oder Portugal. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder aus dem Euroraum ausscheren. Vermutlich würden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder so stark steigen, dass diese ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit kämen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten. Aus Sicht von Politikern ist diese Gefahr jedoch deutlich geringer geworden, nachdem größere Euro-Rettungsschirme aufgespannt worden sind.

KOSTEN EINES AUSTRITTS -"Schaden irgendwo zwischen Katastrophe und Armageddon":

Das Euro-Schreckgespenst geht um. (© Bild: Imago)

Bei der Einführung einer Drachme, die deutlich schwächer wäre als der Euro, könnten der griechische Staat, seine Banken und Unternehmen ihre Verbindlichkeiten im Ausland wohl nicht mehr begleichen. Das heißt: Geldgeber würden auf den Schulden der Griechen sitzenbleiben. Auf Deutschland würden Verluste zwischen 70 und 90 Milliarden zukommen, schätzen Wirtschaftsinstitute und Banken. Hinzu kommen die Kosten für den deutschen Anteil an Hilfspaketen im Umfang von 160 Milliarden. Wertlos wären zudem die griechischen Staatsanleihen der EZB im Wert von 100 Milliarden - für ein Viertel der Kosten müsste Deutschland geradestehen. Ebenfalls verloren: 100 Milliarden Schulden der Griechen beim Eurosystem - hier würden Deutschland ebenfalls ein Viertel der Kosten auferlegt.

Schlimmer als die direkten Kosten sind die finanziellen Folgen, die aus der destabilisierenden Wirkung eines griechischen Euro-Austritts hervorgehen könnten. Die schlimmsten Szenarien sehen hier Kosten von einer Billion Euro auf Europa zurollen. Der Schaden für Europa könnte desaströs sein. Charles Dallara, Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbands IIF, Charles Dallara, sprach von einem Schaden "irgendwo zwischen Katastrophe und Armageddon"

Mehr zur griechischen Krise bei MSN Money:


Sponsored Links

Auf dieser Seite ist die Kommentarfunktion nicht verfügbar.

Partnerangebot